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Oskar Maria Graf
Es liest: NN
Lesung mit Musik aus den Werken des großen bayerischen Erzählers

Oskar Maria Graf ist immer wieder eine Entdeckung. Neben Ludwig Thoma ist er zweifellos der wichtigste bayerische Schriftsteller. Keiner hat so sehr wie er die Widersprüchlichkeit seiner Zeit auf den Punkt gebracht. Kritisch und kämpferisch, doch auch einfühlsam und voller Respekt vor dem Volk der Bayern. Dazu eine gehörige Portion Witz und auch Weisheit, die machen ihn zeitlos. Kein Wunder, dass dieser Schriftsteller geradezu herausfordert, auch auf der Bühne gelesen zu werden.

 

 

 

 

 

 





Leben und Werk von Oskar Maria Graf

1894 Geburt in Berg am Starnberger See am 22.7.
1900 Eintritt in die Volksschule in Aufkirchen
1906 Tod des Vaters; Übernahme der Bäckerei durch Bruder Max, der den erst 12-jährigen Oskar als Lehrling verdingt
1911 Flucht nach München, Anschluss an die Schwabinger Bohéme-Kreise
1914 Erste Gedichte
1916 Befehlsverweigerung Grafs; Entlassung aus dem Militärdienst
1918 Geburt der Tochter Annemarie am 13.6.
1918 Beteiligung an der Revolution; Erster Gedichtband
1919 Freier Schriftsteller; Zweiter Gedichtband
1924 Bayrisches Lesebücherl
1925 Die Chronik von Flechting
1927 Wir sind Gefangene
1929 Kalendergeschichten
1931 Bolwieser
1933 Emigration nach Wien
1934 Flucht nach Brünn
1936 Der Abgrund
1937 Anton Sittinger
1938 Emigration nach New York
1946 Das Leben meiner Mutter
1947 Unruhe um einen Friedfertigen
1958 1960, 1964 und 1965 Besuche in Deutschland
1961 An manchen Tagen
1966 Gelächter von außen
1967 Tod in New York am 28.6.
1968 Urnenbeisetzung auf dem Bogenhausener Friedhof in München am 28.6.

  www.oskarmariagraf.de


Leben, sonst nichts

Das Eigene und das Fremde bricht sich in Grafs Wesen und Werk vielfach. Das Eigene war ihm oft fremd, er selbst war sich fremd, und mit "berserkerhafter Selbstverhöhnung" wütet er gegen sich selbst. Das Fremde hingegen nahm er als das Eigene an: die russische Literatur eines Tolstoi, Gorki, Tretjakow ebenso wie die Exilstationen Wien, Brünn und New York. Erst seine Asche kommt zurück – und die wird nicht im Familiengrab auf dem Friedhof von Aufkirchen hoch über dem Starnberger See beigesetzt, sondern in München auf dem alten Bogenhauser Friedhof; eine etwas verspätete Ehre.
Graf ist immer beides: zu Hause und fremd zugleich. Flucht ist ihm im selben Augenblick Befreiung. Er nimmt vormittags an der Revolution teil und nachmittags schlägt er sich den Bauch voll beim Essen und Trinken in reicher Gesellschaft. Nichts kennt er so gut als das Nichts. Er nannte sich Provinzschriftsteller und war fast sein ganzes Leben Exilant. Nur zu gerne inszeniert er sich selber, wobei Lederhosen und Trachtenjanker nur äußerliche Zeichen sind, um sich dann von seiner eigenen Inszenierung fortreißen zu lassen. Der Rollenkonflikt, mit dem sich das einzelne Individuum in dem geschilderten Spannungsfeld herumschlagen muss, spiegelt die gesellschaftlichen Polaritäten wider. Auf der Suche nach Orientierung schwankt der Mensch, wie ihn Graf schildert, zwischen Angst und Pose, zwischen "Durchwursteln" und Mut zur eigenen Authentizität, zwischen ohnmächtiger Wut und Sehnsucht nach Liebe – mit anderen Worten:
Graf stellt nichts anderes dar, als den modernen Menschen schlechthin.
Gerd Holzheimer